Lange in Lorsch
Geschrieben von Mark P. Haverkamp   
Montag, 21. Dezember 2009

Lorsch"Keiner sollte viel vom Kloster Lorsch erwarten. Davon ist nicht viel übriggeblieben." Dies wurde häufiger gesagt und gehört. Seehr wichtig, aber jaa nicht viel erwarten. Da ist fast nichts in Lorsch, so gut wie nichts, kaum etwas zu sehen. Wir waren gespannt.


Die Nichtunterschätzer des subjektiven Faktors im objektiven Verlauf fahren seit fünf Jahren stets den zweiten Samstag im Dezember zum Jahresabschlussessen an einen Ort in der Kurpfalz, wo sie im Vorfeld mittels einer Führung tief in die örtliche Historie eintauchen. Nach intensiven Kontaktaufnahmen mit Ladenburg, Speyer, Schwetzingen, Weinheim und Heppenheim zwitscherten sich im Spätsommer 2009 zwei aus der Sippe Lorsch als das für dieses Jahr angebrachte Ziel zu.


Am Bahnhof Lorsch sammelten sechs Nichtunterschätzer mit Gast ihren siebten Vereinsmann ein, der aus entgegengesetzter Richtung in die südhessische Kleinstadt im Kreis Bergstraße gekommen war, und liefen die Bahnhofstraße in Richtung Museumszentrum. Dort hielt der Vorsitzer mit der bestellten Führerin zunächst ein vertrauliches Pläuschchen. Zu Beginn der Führung stand der Nichtunterschätzkreis etwas mehr als eine halbe Stunde um die Führerin hinterm Eingang des Museums und lauschte andächtig. Einige nickten ab und zu, die lautestete Stimme der Truppe stellte hin und wieder Fragen. "Aber jetzt wollten wir uns ja eigentlich die Sachen mal anschauen", sagte die Dame und schaute auf ihre Uhr. Im Klostermuseum wurde der 1991 zum Weltkulturerbe ernannten Abtei weiter nachgespürt. Draußen ging es weiter zur Karolingischen Torhalle und in sie hinein. Die Temperaturen stürzten. Bei Dämmerung wurde eine große Runde durch den Park gedreht. "Möchten Sie noch zuhören?"

Die Führung führte schließlich in den Nibelungensaal im Lorscher Rathaus, in dem noch Lorscher tagten. Kuchen war in dem Flur aufgetischt, die Nichtunterschätzer stellten sich zunächst vor die Treppe und schauten den allmählich herauskommenden Bürgern in ihre Gesichter. "Sonst gibt es nicht mehr viel, das ich Ihnen noch zeigen könnte", schloss die Dame im Saal nach langen Ausführungen das Programm. Und zählte doch noch einiges auf.


Im Gasthaus Weißes Kreuz am Marktplatz gegenüber dem Rathaus war ein Tisch für 18 Uhr reserviert. Idealerweise hatte die Führung mit 145 Minuten fast eine Stunde länger gedauert als geplant, so dass das ganze Kopfzerbrechen in Sachen Überbrücken der Zwischenzeit für Umme gewesen war. In lockerer Atmosphäre wurden Getränke gereicht. Gespräche drehten sich um Licht und Dunkelheit. Die Gemälde an der Wand harmonierten mit den Darbietungen des Vorsitzers und des Schriftführers. Es wurde viel gelacht. Nur bei einem kam es vor, dass er sich häufiger für wenige Minuten aufregte, das Lokal kurz verlassen musste, um die Straße auf und ab zu gehen. Gründe dafür sind nicht bekannt. Zahlen wurden geschätzt und diskutiert.
Da von Lorsch Samstagabends keine Züge fahren, stieg die Mannschaft in das für 22.36 Uhr bestellte Anruf-Linien-Taxi nach Heppenheim. In Mannheim wurde das Beisammensein zu früher Stunde fortgesetzt.

 

 Mark P. Haverkamp