5. Stiftungsfest mit Proseminar im Grafenschloss
Geschrieben von Mark P. Haverkamp   
Mittwoch, 22. Juli 2009

 

Saminar

Wo Diez ist, interessiert und interessierte niemanden."In der Pfalz" hieß es von Anfang an, aber das stimmt natürlich nicht. Es musste auch niemand wissen, denn Diez war einfach eine Stätte, in die die Nichtunterschätzer Zuflucht für ihr 5. Stiftungsfest im Juni 2009 nehmen würden. Zackig entschieden ein dreiviertel Jahr zuvor im Mannheimer Uniclub, weil der Unterlagenverteiler, Kataloginhaber und Reiseplaner in die Richtung redete, jeder sein Bier trinken wollte und keiner auf Diskussionen Lust bekam.

Bevor ich losfuhr, riefen mich Vereinskollegen, die bereits auf dem Weg waren, an und redeten mit mir in der zweiten Person Plural. Und stellten mir Fragen, von denen ich nichts verstand. Ich schaltete mein Handy aus und lief zu meinem Fahrer. Der Auftakt dieses Wochenende wurde in dem gebuchten Seminarraum mit Heidelberger Sekt und unzähligen projezierten Fotos aus glorreichen Tagen begonnen, was manche an eine Trauerzeremonie erinnerte. "Nassauer Hof" nannte sich die am Freitagabend zuerst besuchte Gaststätte. Es wurde gespachtelt und gespachtelt. Und besonders Schlaue stellten fest, dass man hier einen schon sehr anderen Dialekt spreche als in der 150 km entfernten Kurpfalz. An der zweiten Station, es war bereits fast dunkel, und das kurz vor dem längsten Tag des Jahres, musste man klingeln. Man öffne eigentlich nur für Stammgäste. Wie viele wir denn seien? Ja doch, dann sollten wir hereinkommen. Wir betraten ein großes Lokal, auf den Tischen lagen Muscheln verteilt. Ich hatte noch Spuren einer Rachenentzündung und trank hier mein für das gesamte Wochenende einziges Pils. Einer stellte fest, einen viel längeren Hals zu haben als sein Nachbar. Nein, die Nacht wurde nicht zum Tag.

Im Grafenschloss Diez wohnten die Kameraden sehr fürstlich im komfortablen Zimmern. Keine Exzesse, kein Saufen, alles war so ruhig, als wäre man mit einer Gruppe Senioren unterwegs. Um 10 Uhr am Samstagmorgen begannen die Nichtunterschätzer ihr Seminar "NU und DU" im Raum Graf Embricho. Wer wir seien, wollte der Seminarleiter eruieren. Um das herauszufinden, sollten die Teilnehmer vor allem "inhaltlich" mitarbeiten. Satzungsfetzen wurden an die Wand geklatscht, Referate gehalten.


Vormittags und mittags floss auch schon ein wenig Bier, die Herrschaften im gesetzten Alter mussten daher am späten Nachmittag ein Schläfchen halten. Ob man noch einer Führung teilnehme, ob die bei Regen stattfinde, wer wo wann mitgehen würde, war Gesprächsthema.

Limburg an der Lahn, das der Leser von der Autobahnausfahrt oder eher noch von der ICE-Zwischenhalte kennen dürfte, liegt neben Diez. Dorthin würde um kurz nach sieben ein Zug fahren. Warum und wegen wem man den nicht mehr erreichen würde, wusste in dem Aufenthaltsraum, in dem andere Gäste "spielten", nicht so genau. Man wartete, zwei andere holten Bier, das man zunächst nicht trank.


Im dem Städtchen Limburg fand eine Laufveranstaltung mit mehreren Wettkämpfen statt. In einem Eiscafé machte ein Vogel einem NU, kurz nachdem er sich gesetzt hatte, auf die Hose. Der Arme sah ohnehin schon sehr lädiert aus. In einem Restaurant teilte sich die Mannschaft an zwei sich schräg gegenüberliegende Tische auf. Die einen waren laut, die anderen diskutierten. In einer Kellerbar vergaß die Bedienung, mehrere Mineralwässer zu kassieren. "Is Limbursch a Bistum?" fragte der Theologiestudent unter uns, als wir zum Dom hochliefen. Wir fuhren in mehreren Taxis zurück und schliefen.

Mark P. Haverkamp