| Sommerwochenende in Gernsbach |
| Geschrieben von Mark P. Haverkamp | |
| Samstag, 27. September 2008 | |
![]() Man könne ja mal eine Wanderung im Schwarzwald machen. Sagte ich im Herbst vergangenen Jahres, als ich gerade dabei war, von Mannheim nach Gernsbach zu ziehen. Gernsbach ist eine Kleinstadt im Murgtal, ein paar Kilometer östlich von Baden-Baden im Kreis Rastatt. Ja, in den Schwarzwald müssten die Nichtunterschätzer unbedingt mal kommen, zumal ich auch eine große Terrasse haben würde mit einem wunderschönen Ausblick auf das Murgtal. So kamen wir dann öfter auf diesen Punkt zurück. Und im April oder Mai nahmen wir dann ein Wochenende im August ins Visier. Das zweite Augustwochenende 2008. Ich, der ich kein Auto besitze und auf einem Berg in Gernsbach-Scheuern wohne, schleppte an jenem Samstagmorgen also eine Kiste Jever vom Getränkemarkt hinter dem Bahnhof Gernsbach durch Scheuern hoch auf den Berg. Dann putzte ich mit mehr oder weniger großem Erfolg meine Bude im Schwannweg. Ich wusste, so zwischen zwei und halb drei sind sie da. Beim Schwitzen und Hecheln bekam ich eine SMS: „Bestelle Kaffee für alle. Alex und ich sind in Kuppenheim ausgestiegen, kommen gleich nach.“ „Was für Idioten“, dachte ich. Nicht mal im Stande an einem Sonnabendmittag mit dem Zug von Mannheim nach Gernsbach zu fahren. Steigen erstmal in Kuppenheim aus und trinken Pils. Tse! Der Gedanke, dass einer noch weit dringendere Bedürfnisse haben könnte als Bierdurst, kam mir zunächst nicht. Im nächsten Moment ein Anruf: „Hast du die Möglichkeit, bei Dir daheim Kaffee zu machen?“ „Klar“ meinte ich freundlich. Schließlich konnte ich ihm durch die Funkleitung schlecht ins Gesicht springen. Also machte ich Kaffee. Mir fiel ein, dass ich ja bei weitem nicht ausreichend Tassen oder Becher hätte. Das habe ich ihm dann noch gefunkt. Aber die hatten ganz andere Probleme. Das Taxi sei wohl wieder weggefahren. Jetzt standen die da in Gernsbach Mitte rum. Sie kamen. Die Sonne brach durch die dunklen Wolken einiges an Licht hindurch. Mein Vereinsliebling murmelte etwas von Wohnghetto, in das man gekommen sei. Der Vereinschef berichtete eine „Kurzversion“ vom Nothalt in Gernsbach und der missglückten Taxifahrt. Wir nahmen auf meiner großen Terrasse Platz. Auf den paar Stühlen, die ich und mein Vermieter besitzen und dem großen Lederlesesessel. Milchkaffee wurde in ein Pilsglas gekippt, die ersten Flaschen kühles Jever geöffnet, auf das Schloss Eberstein geschaut. Die Historie des Schlusses habe er im Zug den anderen schon vorgelesen, berichtet der Vereinschef. Zwanzig Minuten würden wir aus der Altstadt Gernsbachs aufs Schloss durch den Wald brauchen. Wir brachen nach einer kurzen Weile auf. Der redselige Nachbar gab von seinem Balkon aus den Zugereisten einen kurzen historischen Abriss und klärte auch mich darüber auf, warum man doch ab und zu auch braunhaarigen Holländerinnen begegnet. Nämlich wegen der Schwarzwaldbuben, die früher den Rhein hochfuhren. Das Wetter wurde wirklich schön. Unten im Ort drehten wir eine kurze Runde durch den Katzschen Garten, der die Ausflügler weniger anlachte. Nach einer kurzen Runde durch die Altstadt bewegten wir uns am Gefallenendenkmal, wo ein kurzes Päuschen eingelegt wurde, durch den Wald mehr als eine dreiviertel Stunde hinauf. „Wir müssen es uns verdienen“, „hier läuft aber auch nur alle halbe Jahr mal her“ hörte ich auf den engen Pfad. Oben konnten wir in der gut besuchten Schänke Platz nehmen und bei blauem Himmel auf Obertsrot sehen, Bier trinken und uns darüber Gedanken machen, ob wir auf dem selben oder auf anderem Wege zurück in den Ort laufen würden. Wir nahmen denselben hinab und waren gefühlt mindestens doppelt so schnell. Der Tagungstisch in der Restauration Brüderlin war für 19 Uhr bestellt. Wir nahmen dort ein bisschen früher schon Platz und ein bisschen später gesellten sich Nachzügler dazu, die extra aus Polen per Auto gekommen waren, hinzu. Die Kaltgetränke ließen erst einmal auf sich warten. „Wolle sie gloi en Oimer Wasser bstelle?“ fragte schließlich die stets gutgelaunte Dame. „Sie bstelles Esse am beschte gloi, mit dann geht es nachher schneller (…) Jetzt könnt ihr was schaffen“. Die Ordentliche Mitgliederversammlung begann und der Tisch war doch recht eng. Weiter ging es später ins Färberthor, wo für einen Samstagabend ungewöhnlich wenig bis gar nichts los war. Unsere Stimmung wurde umso besser, die ersten Kurzen wurden gereicht, TV-Serien der Achtziger durchgesprochen und ein bisschen gespielt. Endstation war danach ein Etablissement, das man zu anderen Uhrzeiten und bei niedrigerem Promillegehalt wohl nicht betreten würde. Zurück in meiner Bude am Ende von Scheuern drehten wir einmal noch kurz die Musik auf, ich las, soweit ich dazu noch imstande war, kurz etwas aus zwei Büchern vor, während die Besucher in ihren Schlafsäcken auf dem Laminatboden wegdösten und –schnarchten. Am nächsten Morgen aßen die Besucher ein knappes Frühstück draußen auf der Balkonterrasse, während ich verkatert in der Ecke blieb. Die eine CD (von Tokio Hotel) sei mir ja hoffentlich geschenkt worden, meinte ein Hesse. Sie machten sich und meine Küche sauber, verabschiedeten sich fröhlich und verschwanden.
Mark P. Haverkamp |






